Fußball in Vietnam

Vietnam – Thailand
My Dinh Nationalstadion Hanoi

WM Qualifikation
AFC Asia Cup Quali

Nachdem uns das Hinspiel in Thailand bereits verwehrt blieb, da das Spiel ausverkauft war, standen wir in Vietnam nochmals vor dem gleichen Problem. Trotz Recherche im Internet konnte man nichts zu einem Online Ticket Verkauf finden und das Spiel war innerhalb von ein zwei Stunden ausverkauft, wie wir im Anschluss erfahren hatten. Da dies das einzig mögliche Spiel war (die Liga hatte bereits seit Wochen die Saison beendet) nur Hanoi hatte noch ein paar Spiele in der Championsleague (völlig Sinnfrei ohne im Takt zu sein – alle 2 Wochen mal Championsleague…), wurden einige Facebookseiten angeschrieben, wo man denn noch Tickets her bekommen könnte und tatsächlich wurden wir in eine Facebookgruppe eingeladen in der man Tickets verkaufen bzw kaufen konnte. Manch einer verkaufte dort an die 50 Tickets. Natürlich zu astronomischen Preisen. Zwischen 8 und 20 Euro lag der Originalpreis der Karte, unter 35 Euro wurden dort allerdings keine Angeboten, manch einer wollte sogar an die 150 Euro pro Ticket. Richtige Kartenmafia in Hanoi. Nach zähen Verhandlung konnten wir schließlich zwei Karten erstehen für 70 Euro, die Abends um 21.00 Uhr stilecht mit dem Scooter zu unserer Unterkunft gebracht wurden. Knapp 2 Millionen Dong wechselten den Besitzer und ich bekam einen Umschlag in die Hand gedrückt. In Deutschland hätte sicher jemand die 110 gewählt, wenn er die Szenerie beobachtet hätte. Seis drum wir hatten unsere Karten und konnten uns am nächsten Tag per Taxi auf den Weg zum Stadion begeben. Am Stadion war schon richtig viel los, weshalb wir uns direkt ins Rund begeben wollten, was gar nicht so leicht wie erwartet war. Um das Stadion gibt es einen eingezäunten Bereich den man zwar ohne Karte und Kontrolle betreten kann, allerdings gab es nur 3 winzige Eingänge die noch unnötigerweise durch im Weg stehende Polizisten verengt wurden. Einmal im Vorbereich des Stadions angelangt gingen die Ticketskontrollen an den verschiedenen Sektoren recht fix und man konnte den bereits gut gefüllten Ground betreten. Ein richtig schönes weites Rund mit jeweils einem Oberrang auf den Gegengeraden. Das Stadion ist neben der Heimspielstätte der Nationalmannschaft auch die Heimat des Erstligisten Cong FC und mit gut 40000 Plätzen das größte Stadion Vietnams.

Unsere Plätze befanden sich hinter dem Tor zwischen den zwei Supportblöcken der Vitnamesen. Diese machten beide zwei kleinere Chores bestehend aus Blockfahnen, welche allerdings optisch nicht unbedingt neue Maßstäbe setzen, aber immerhin dem Spiel einen kleinen Rahmen boten. Auch der vollbesetzte Gästeblock zeigte eine Choreo unter dem Motto ‚We fight together‘. Richtig nervig ist in Asien die Handy/Fotokultur, gefühlt jeder hat dort die ganze Zeit fotografiert und gefilmt, so waren wir dauerhaft in mehreren Livevideos und hatten dauerhaft ein bis zwei Handys press vor dem Gesicht, so schlimm wie hier war es bisher noch nirgends beim Fussball in Asien.

Auf dem Platz kam auch nicht viel zu Stande außer einem verschossenen Elfmeter von Thailand und ein Abseitstor der Vietnamesen und so bestand der einzige Unterhaltungsfaktor im Supportblock zu unseren Linken. Nur etwa 10 Sitzplätze trennten uns vom singenden Pulk, aber dank der zarten asiatischen Stimmen konnten wir trotzdem den Support so gut wie gar nicht wahrnehmen. Die Vorsängerin mit dem Megaphon war gefühlt leiser als ein Europäer ohne technische Hilfe. Immerhin machte sie witzige Tanzbewegungen zum Beat der Trommeln und auch der Block führte teilweise tanzähnliche Choreografien auf mit hinsetzen, nach vorne lehnen, durch den Block laufen und Schal wedeln.

Nach den ersten 45 Minuten war uns das Ganze zu Bunt und wir suchten uns neue Plätze auf der Gegengerade, letzte Reihe im Stehen, aber immerhin ohne ständig Handys im Gesicht zu haben. Auch das Spiel wurde interessanter, beide Teams spielten zunehmend mit mehr Einsatz, aber man merkte auch das keiner der beiden Punkte liegen lassen wollte. Ein Tor sollte noch fallen, welches aber vom Referee abgepfiffen wurde. Trotzdem jubelten die Fans der Gastgeber gleich zwei Mal, als das Tor fiel und es außerdem auf der Anzeigetafel ausversehen doch angezeigt wurde. Gezählt hat es trotz der Ekstase der Vietnamesen natürlich nicht und so endete das Spiel torlors.

Aufgrund der logistisch eher mauen Situation an den Ein- beziehungsweise Ausgängen machten wir uns direkt mit Schlusspfiff raus aus dem Stadion. Taxis standen draußen zwar unzählige bereit, aber zu unfassbaren Preisen, auch bedingt durch das Verkehrschaos. So ging es für uns eine halbe Stunde zu Fuß in Richtung unserer Heimat, bis wir einige Querstraßen entfernt waren und der Verkehr dort halbwegs in normalen Bahnen verlief. Für den restlichen Nachhauseweg haben wir uns ein GRAB gegönnt.

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