Tansania / Sanisibar

Sansibar ist eine Insel welche zu Tansania gehört und in gerade mal zwei Stunden mit einer Fähre erreicht werden kann. Für viele ist Sansibar eine absolute Trauminsel á la Karibik (das kann ich später auch definitiv mit Bildern beweisen) – leider gibt es aber wie so oft auch Schattenseiten. Diese waren der Hauptgrund für meine Reise in das Ferne unbekannte Land.

Es war schon immer mein großer Traum eines Tages ein soziales Projekt zu unterstützen. Da mein Papa sehr früh starb war auch meine Kindheit nicht immer einfach, deshalb war mir immer klar, dass ich Kindern in armen Ländern eines Tages ein Lächeln ins Gesicht zaubern möchte.

Ich bin stolz aber vor allem dankbar nun sagen zu können, dass das geklappt hat 😊

Mit Praktikawelten in Sansibar

Wieso es Sansibar wurde und wieso Praktikawelten? Das habt ihr mich tausendmal gefragt. Ich kann es ehrlich gesagt gar nicht so genau beantworten. Ich hab‘ natürlich online ein wenig rum gesucht und bin bei Praktikawelten hängen geblieben, weil ich die Beschreibungen super fand und das Gefühl hatte „gut aufgehoben zu sein“. Sansibar wurde es einfach nur nach dem „Ene Meine Miste- Prinzip“.

Mich haben auch sehr viele Nachrichten dazu erreicht wieso ich das Ganze nicht einfach selbst organisiert habe. Auch dazu möchte ich mich zum Beginn noch kurz äußern.

Die leider weit verbreitete Meinung „Solche deutschen Vermittlungsseiten sind Halsabschneider“ Teile ich NICHT! Wann immer ich Hilfe oder Unterstützung gebraucht habe war jemand von Praktikawelten da und hat mir geholfen. Als wir für die Kinder Zahnbürsten kaufen wollten um mit Ihnen etwas zum Thema Mundhygiene zu lernen war Praktikawelten sofort bereit uns zu unterstützen.

Insbesondere, weil ich in der sogenannten „Off-Season“ aka. Regenzeit dort war empfand ich die Organisation als sehr hilfreich. Durch die vor Ort herrschende Armut war die Regenzeit auch für uns nicht ganz ungefährlich. Es gab des Öfteren Überfalle in der Nacht und leider auch Diebstahl.

In dem Ort, in dem ich lebte, Nungwi (ganz im Norden der Insel) gibt es beispielsweise keinen Geldautomaten. Der nächste ist in der Hauptstadt, Stonetown, welche über zwei Stunden entfernt ist. Die logische Konsequenz daraus ist es natürlich, dass die Einheimischen meist nicht einmal ein Girokonto haben – was bei uns unvorstellbar wäre. Die Währung dort nennt sich übrigens „Tansania- Schilling“ und umgerechnet hab ich immer ganz grob – 2.500 Schilling gleich 1€.

Mein Eindruck war, dass die Einheimischen sich untereinander helfen wie verrückt. Wenn also einer an Geld gekommen ist, kam es gerne vor, dass sämtliche Freunde auf eine Runde Bier eingeladen wurden. Das Wort sparen ist in Nungwi ein Fremdwort gewesen – daher wird die Regenzeit dort oftmals zu einem echten Überlebenskampf.

Doch zurück zum Thema – besonders wegen der, nennen wir es, angespannten Situation am Abend, war ich sehr dankbar niemals alleine unterwegs zu sein. In einer Gruppe von 3-4 Mädels konnte man sich auch abends raustrauen und trotzdem sicher fühlen.

Unterkunft Praktikawelten Haus Sansibar

Gelebt haben wir alle in einem Haus namens „Kimti Villa“. Dort gibt es vier Schlafräume mit je 3 Hochbetten. Insgesamt also Platz für 24 Voluntäre. Vor Ort hat eine sehr liebe Frau für uns gekocht und nach dem Rechten gesehen. Am Abend waren außerdem sogenannte „Masai“ auf dem Grundstück, damit keine ungewollten Gäste kommen. Diese haben immer einen Stock und ein Messer bei sich – für den Ernstfall – den es Gott sei Dank nicht gab.

Ich kam an einem Freitag an und hatte daher die Möglichkeit erstmal „anzukommen“ bevor es das erste mal in die Schule ging. Direkt am Folgetag waren wir (die anderen Voluntäre und ich) zusammen bei einem Schnorchelausflug. Der war schon im Preis mit drin und wirklich traumhaft schön! Wir sind mit einem kleinen Boot zu einem echten Schnorchelparadies gefahren und zwar kurz vor einer Insel die angeblich Bill Gates gehören soll. Allerdings hab‘ ich jetzt schon öfter gehört, dass das gar nicht stimmt und er dort nur mal zum Urlaub machen war – wie auch immer – traumhaft und definitiv sehenswert! Nach einem Mittagessen ging’s mit fettem Sonnenbrand zurück nach Nungwi. Dort hatte ich riesiges Glück. Eine der anderen Voluntärinnen hat mir gezeigt wie man sich aus einer Aloe- Vera- Pflanze das beste Heilmittel einfach selbst macht und somit war mein Sonnenbrand am Folgetag schon wieder „ganz ok“ …

MONTAG stand‘ an – mein erster Schultag! Hand auf’s Herz – ich war glaube ich genauso aufgeregt wie bei meinem echten ersten Schultag vor XX Jahren …

Mit den anderen bin ich den ca. 10- minütigen Schulweg gelaufen und da schon fast eingegangen. Trotz der Regenzeit war es so unfassbar heiß. Die 28 Grad auf dem Thermometer kamen mir vor wie die Lüge des Jahres. Gefühlt waren locker 40 Grad! Die langen Klamotten haben das Ganze natürlich nicht gerade besser gemacht. Sansibar ist im Gegensatz zum Festland von Tansania nämlich zu großen Teilen muslimisch, weshalb wir in der Schule oder auch im Dorf Schultern und Knie bedecken sollten.

In der Schule angekommen war dann die Frage in welche Klassen wir gehen wollen. Eine von uns in die Baby-Class (Kindergarten) und eine in die erste Klasse. Die Tatsache, dass ich in die erste Klasse kam lag‘ einfach nur daran dass Luisa schneller geantwortet hatte, gebucht hatten wir nämlich beide „Social Care“.

https://www.praktikawelten.de/freiwilligenarbeit-sansibar/sozialarbeit-mit-kindern-sansibar

Es gibt auch noch die Möglichkeit „Teaching“ zu buchen. Bei dieser Variante ist man ein wenig mehr „auf sich gestellt“ und hat eine eigene Klasse. Unterrichtet wird meistens Englisch aber auch Mathe.

Überraschenderweise sprechen die 4. Klässler beispielsweise EXTREM GUT englisch. Man kann ganze Konversationen führen und lernt sogar teilweise noch neue Worte von den Kindern.

Das liegt daran, dass, nicht wie bei uns in Deutschland, schon im Kindergarten Englisch „unterrichtet“ bzw. gesprochen wird. Ich persönlich hatte erst ab der 5. Klasse englisch (aber ich glaube das ist heutzutage auch anders?!)

Naja auf jedenfall war ich wie gesagt in der ersten Klasse der Umoja- School. Obwohl ich „Social Care“ gebucht hatte war meine Tätigkeit schon eher Teaching- aber das war ok für mich. Ich habe es ehrlich gesagt sogar genossen, dass ich mit den Kindern schon ein wenig sprechen konnte und die kleinen mich auf Englisch einigermaßen verstanden haben. Da die Umoja- School eine Privatschule ist, welche von einer Deutschen gegründet wurde sind in den Klassen nur 20-24 Kinder. In den höheren Klassen sogar noch weniger. Das ist in Tansania ganz und gar nicht normal. In den öffentlichen Schulen ist es nicht unüblich, dass 120-180 Kinder in einer Klasse sind. Wie ihr euch vorstellen könnt ist es dort natürlich super schwer für die Kinder aber auch Lehrer wirklich effektiv zu arbeiten. Kinder die von einer öffentlichen Schule zu uns kamen mussten oftmals viele Klassen heruntergestuft werden. So kam es, dass 12- jährige in der ersten Klasse neben 7-jährigen saßen.

Die Umoja- School funktioniert durch Spenden – soweit ich weiß vor allem aus Deutschland. Für gerademal 25€/mtl. Kann ein Kind in Nungwi zur Schule gehen. Die meisten der kleinen sehen viele Dinge dort zum ersten mal in Ihrem Leben. Beispielsweise Puzzle – davon gab es ein paar wenige die durch Spenden aus Deutschland kamen – haben die meisten Kinder nicht gekannt. Beim puzzeln wurde das ein oder andere Teil mit Gewalt zusammengebracht. Es war auf der einen Seite wundervoll zu sehen wie sehr sich die Kinder über so etwas „neues“ freuen, aber zum anderen auch super traurig, denn wenn wir ehrlich sind haben Puzzle zu unserer Kindheit definitiv gehört – oder?

Umoja Network

Falls Ihr euch das Ganze mal genauer anschauen wollt ist hier der Link zum Umoja- Network.

Natürlich kann man den Unterricht dort nicht mit einer deutschen Grundschule vergleichen. Aber die Lehrer vor Ort sind sehr dankbar für Ideen aus Deutschland und „neue Lernmethoden“.

In Mathe habe ich beispielsweise mit den Kindern „Pyramiden- rechnen“ gemacht. Ihr wisst was das ist oder? Da die Schule natürlich nicht die Möglichkeit hat für alle Kinder Arbeitsblätter auszudrucken, müssen die Kleinen sehr viel abschreiben. Da kam Ihnen dieser Exkurs mit den Pyramiden sehr Recht. An einer Außenwand wurde eine Farbe aufgetragen die es möglich macht die Wand als Tafel zu benutzen. Während einige Kinder drinnen einen englisch Test geschrieben haben, habe ich mit dem Rest draußen einen Rechen- Wettbewerb machen können – diese Wand ist einfach eine MEGA Lösung oder?

Drinnen ist es sowieso meistens super stickig & heiß, denn logischerweise ist kein Geld für Klimaanlagen und co. Da wird es auf ca. 15qm mit 24 Kindern schonmal kuschelig warm …

Das für mich schönste Erlebnis war die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Kinder.

Fußballspielen mit Plastikflaschen und Seitgalopp mit einem kaputten Reifen und trotzdem die glücklichsten Kinder welche ich je gesehen habe.

Generation „Handy“ und „ich brauche die neuste Playstation“ gibt es dort nicht. Davon können sich viele Europäer noch eine Scheibe (oder gerne zwei) abschneiden.

Einfach mal dankbar sein für das was man hat – statt immer nach mehr „mehr“ zu geiern.

Im Anschluss an meine Freiwilligenarbeit war ich noch eine Woche auf der anderen Seite der Insel. Natürlich auch traumhaft schön – aber es geht nichts über Nungwi. Ich habe dort die schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens gesehen. Tipp: Sunset-Cruise ist absolut lohnenswert! (mit ein bisschen Verhandlungsgeschick bekommt ihr die für unter 5€)


Allgemeines zu Sansibar

Die Einreise war für mich ganz unkompliziert. Vor Ort könnt ihr euch ein Visum kaufen (50$). Beachtet hier aber unbedingt  IHR SEID IN AFRIKA!!! Verlasst euch nicht drauf, dass das Kartenlesegerät funktioniert. Kreditkarte schön & gut – in dem Fall aber unbedingt Dollar mitnehmen. Am besten kleine Scheine (100er sind ungern gesehen) und neue Scheine (nicht neu im Sinne von frisch gedruckt sondern neu im Sinne von nicht älter als 2014 glaube ich.

Geld abheben Sansibar

Des Weiteren unbedingt informieren, ob es da wo ihr hin wollt einen ATM gibt. Wie gesagt gab es bei uns keinen und wir mussten zwei Stunden Taxi fahren um Geld abzuheben. Kleine Wechselstuben gibt es aber natürlich – auch da sind Dollar also wieder hilfreich.

Am ATM in der Hauptstadt bekommt ihr auch normalerweise gerade mal 400.000 Schilling. Das sind ca. 150€ – damit kommt man gut durch einen 7- Tage Urlaub aber eben nicht durch einen „langen Aufenthalt“.

Die Märkte und kleinen Gassen in der Hauptstadt „Stonetown“ sind absolut sehenswert. Mir hat aber ehrlich gesagt ein einmaliger Besuch gereicht.

Prison Island

Ein weiteres mal bin ich nur dorthin gereist um vom Hafen aus mit einem Boot nach „Prison Island“ zu fahren. Auch dies würde ich euch allen empfehlen. Die historische Insel ist der absolute Hammer. Die Geschichte dahinter, dass die Insel erst als Gefängnisinsel und später als Quarantäne- Insel genutzt wurde ist wirklich spannend. Heute leben dort etliche Riesen- Schildkröten von den Seychellen. Ein kleiner traumhafter Strandabschnitt rundet das Ganze ab. Euer Boot wartet normalerweise an der Insel und der Fahrer führt euch eventuell sogar ein wenig herum. Sucht euch daher in Stonetown ein Boot/ einen Fahrer den ihr sympathisch findet.

Falls Ihr auch Interesse an einem Auslandsaufenthalt/ Freiwilligenarbeit in Tansania/ Sansibar habt, dann schreibt mich gerne an. Ich beantworte euch gerne alle Fragen und hab vielleicht auch noch den einen oder anderen Tipp, was hier einfach den Rahmen sprengen würde.

Den Fußballbeitrag zu meinem Erlebnis in Tansania findet ihr übrigens hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.